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Milchzähne - Funktion und Pflege des kindlichen Gebisses

Der Mensch bildet - wie zahlreiche Säugetiere auch - zu Beginn seiner Entwicklung ein Milchgebiss aus, bevor die bleibenden Zähne durchbrechen. Dieses ist der einzige Bestandteil des Körpers, den  der Mensch im Laufe seines Lebens einmal vollständig erneuern und ersetzen kann. Der Begriff leitet sich von  der weißen,  milchigen Farbe der Zähne ab. Dazu kommt die vorwiegende Ernährung mit Milch in den ersten Lebensmonaten.

Viele Menschen halten die Milchzähne nicht für wichtig, weil sie nach einigen Jahren ausfallen und durch die zweiten Zähne ersetzt werden. Das ist aus zahnmedizinischer Sicht  schlichtweg falsch. Es gibt  viele Gründe, das Milchgebiss - damit auch eine konsequente Pflege und Vorsorge - ernst zu nehmen. Leider wirkt sich Unachtsamkeit bei der Pflege des Milchgebisses negativ auf die bleibenden Zähne und damit auf das ganze Leben aus.

Im folgenden Beitrag findet sich, was Eltern über die Entwicklung der ersten Zähne bei ihren Kindern wissen und beherzigen sollten.

Welche Funktion haben die Milchzähne?

Die Milchzähne haben mehrere wichtige Funktionen. Ähnlich wie das endgültige Gebiss dienen sie natürlich der Zerkleinerung von Nahrung und sorgen dafür, dass wir beim Sprechen einige Laute richtig artikulieren können. Fehlen beispielsweise die vorderen Zähne, können Kinder S-Laute nicht korrekt bilden. Sie neigen dadurch zum Lispeln, sodassin vielen Fällen eine logopädische Behandlung erforderlich wird.

Vor allem sind die Milchzähne aber auch Platzhalter für die neuen Zähne, die etwa ab dem sechsten Lebensjahr zu wachsen beginnen und bis zum zwölften Jahr ausgereift sind. Deshalb ist die Pflege der Milchzähne besonders wichtig. Falls einer oder mehrere durch Karies oder einen Unfall vor dem natürlichen Zahnwechsel verloren gehen, kann sich das spätere Gebiss verschieben. Die zweiten Zähne finden dann nicht den richtigen Platz, an dem sie normalerweise den Kiefer durchbrechen. Sollten bei ihrem Nachwuchs Milchzähne zu frühzeitig verloren sein, hilft wahrscheinlich nur eine kieferorthopädische Behandlung, um spätere und dauerhafte Schäden zu vermeiden.

Neben der Platzhalterfunktion haben Milchzähne auch die Aufgabe, das Wachstum des Kiefers zu fördern. Ein Verlust vor dem Zahnwechsel bedeutet eine Rückbildung des Kieferknochens. Dadurch wird der Wachstumsprozess des endgültigen Gebisses stark gestört. Milchzähne sind also entscheidend für die Entwicklung der bleibenden Zähne.

Bedroht Karies an Milchzähnen die bleibenden Zähne?

Wenn bereits die Milchzähne an Karies leiden, sind auch die bleibenden Zähne gefährdet, bevor sie sich überhaupt richtig ausgebildet haben. Denn die für Karies verantwortlichen Bakterien können von der einen Zahngeneration auf die nächste übergehen. Sollte Ihr Kind Karies am Milchgebiss entwickeln, ist eine schnellstmögliche Behandlung durch den Zahnarzt dringend angeraten.

Ab wann bekommen Kinder Milchzähne?

Es gibt keinen exakt definierbaren Zeitpunkt für das Erscheinen der ersten Milchzähne. Man kann lediglich einen gewissen Zeitraum angeben, in dem sie normalerweise das Zahnfleisch durchbrechen. Die Entwicklung der Milchzähne ist, wie bei anderen körperlichen Entwicklungen von Kindern auch, von individuellen Voraussetzungen und Bedingungen abhängig. Normalerweise ist  jedoch das Milchgebiss im Alter von etwa zwei Jahren komplett ausgewachsen.

Im Gegensatz zu den zweiten Zähnen hat ein Milchgebiss lediglich 20 Zähne. Ober- und Unterkiefer enthalten jeweils:

  • Vier Schneidezähne
  • Zwei Eckzähne
  • Vier Mahl- oder Backenzähne

Während des Zahnwechsels wird jeder einzelne Milchzahn gegen einen bleibenden Zahn ausgetauscht. Hinzu kommen pro Kiefer sechs weitere Backenzähne inklusive der Weisheitszähne.

Innerhalb des ersten Lebensjahres - etwa ab sechs Monaten - erscheinen zunächst die oberen und unteren Schneidezähne. Zahnmediziner empfehlen, dass mit der Zahnpflege begonnen wird, sobald das erste Zähnchen durch das Zahnfleisch bricht.

Ab wann fallen die Milchzähne aus?

Ähnlich wie das erste Erscheinen der Milchzähne verläuft auch der Zahnwechsel bei jedem Kind individuell. Es gibt aber Richtwerte, in welchem Alter welcher Zahn ausfällt und der zweite Zahn nachwächst. In der Regel fällt der Beginn des Zahnwechsels in das sechste Lebensjahr.

Zunächst lockern sich die unteren mittleren Schneidezähne. An ihrer Stelle dringen die bleibenden Schneidezähne durch das Zahnfleisch. Parallel dazu erscheint auch der erste Backenzahn. Da dies ebenfalls mit etwa sechs Jahren geschieht, wird dieser Backenzahn auch als Sechsjahr-Molar bezeichnet.

Zahnmediziner beschreiben das Ausfallen der Milchzähne in Form von zwei Wechselgebiss-Phasen. In Phase 1 zwischen dem sechsten und neunten Lebensjahr erscheinen die neuen Schneidezähne und auch die ersten größeren Backenzähne.

In Phase 2 zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr wachsen dann die kleinen seitlichen und die zweiten großen Backenzähne sowie die Eckzähne. In dieser Phase fallen alle restlichen Milchzähne aus. Die Durchbruchs-Reihenfolge kann sehr unterschiedlich sein. Im Normalfall stoßen die Eckzähne oder die ersten kleinen Backenzähne im Unterkiefer durch, im Oberkiefer die ersten kleinen Backenzähne. Falls aus bestimmten Gründen kieferorthopädische Behandlungen notwendig werden, beginnen sie meist in dieser Phase.

Tipp: Sobald in der Wechselphase die ersten bleibenden Zähne im Gebiss ihres Kindes erscheinen, kann der Übergang von einer Kinder- zu einer Erwachsenenzahnpasta mit höherem Fluoridgehalt erfolgen, wodurch der Zahnschmelz der zweiten Zähne besser gestärkt wird.

Warum fallen Milchzähne manchmal nicht aus?

Bei manchen Kindern kann es vorkommen, dass ein Milchzahn nicht zum normalen Zeitpunkt ausfällt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Hat sich das Erscheinen der ersten Milchzähne im Säuglingsalter verschoben, verspäten sich in der Regel auch die bleibenden Zähne. Bei manchen Kindern ist der Kiefer zu klein und muss weiterhin wachsen. Erst dann haben die zweiten Zähne Platz genug, um durchzubrechen. Ist ein Milchzahn vor dem natürlichen Zahnwechsel ausgefallen oder musste aus bestimmten Gründen entfernt werden, erscheint der bleibende Zahn meist ebenfalls verspätet.

Falls Sie Bedenken über die Entwicklung des Zahnwechsels bei Ihrem Kind haben, sollten Sie Ihren Zahnarzt konsultieren. Liegen begründete Bedenken vor, kann er mit einem Röntgenbild Gewissheit verschaffen, ob die bleibenden Zähne im Kiefer vollständig angelegt sind.

Wie pflegt man Milchzähne richtig?

Genau wie die bleibenden Zähne für Erwachsene, sind auch die Milchzähne für Kinder ein wichtiger Faktor für die Gesundheit. Die Zahnpflege sollte deshalb - so empfiehlt es jeder Zahnarzt - bereits mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns beginnen.

Für ein Kleinkind im Alter von sechs Monaten ist dies natürlich ein völlig neuer und ungewöhnlicher Vorgang. Deshalb kann sich das Putzen am Anfang schwierig gestalten. Sie sollten allerdings die Geduld aufbringen, das Kind an das Zähneputzen zu gewöhnen. Hier können gewisse Rituale nützlich sein, um dem Kind die Angst vor der Zahnpflege zu nehmen. Das kann zum Beispiel ein besonderes Lied zum Thema Zähneputzen sein. Oder sie gehen mit einem guten Beispiel voran und zeigen Ihrem Kind, wie Sie selbst mit einer Zahnbürste umgehen.

Für die Pflege der Milchzähne gibt es verschiedene Hilfsmittel. Entweder nutzen Sie eine spezielle Zahnbürste mit einem kindgerechten kleinen Kopf und weichen Borsten. Es gibt  für diesen Zweck auch geeignete Fingerlinge, mit denen Sie die kleinen Zähne putzen können. Beachten Sie bitte, dass Sie die Zahnbürste regelmäßig wechseln, spätestens alle drei Monate.

Welche Zahncreme ist für kleine Kinder am besten geeignet?

Für Kinder wie für Erwachsene ist Fluorid ein geeigneter Wirkstoff, der die Entstehung von Karies verhindern kann. Allerdings können Kinder noch nicht so gut ausspucken und verschlucken häufig einen großen Teil der Zahncreme. Aus diesem Grund ist Fluorid in Kinderzahncreme stark reduziert. Sollte der Nachwuchs also kleine Mengen an Zahnpasta verschlucken, besteht daher keinerlei Gefahr.

Spätestens, wenn das Milchgebiss komplett ausgewachsen ist, sollte zweimal am Tag geputzt werden. . Sollten Sie mit diesem Rhythmus morgens und abends gleich zu Beginn des Zahnwachstums anfangen wollen, können Sie beispielsweise am Morgen die Zähne nur mit Wasser putzen, am Abend dann mit einer etwa erbsengroßen Menge Zahnpasta. Die Kinderzahncreme sollte einen Fluoridgehalt von etwa 0,5 Milligramm pro einem Gramm Zahncreme aufweisen, aber nicht mehr.
 

Ab welchem Alter können Kinder die Zahnpflege eigenständig übernehmen?

Kinder sind durchschnittlich erst mit etwa acht Jahren in der Lage, ihre Zähne vollständig und richtig selbst zu putzen. Vorher besitzen sie noch nicht die motorischen Fähigkeiten. Als Faustregel gilt, dass Kinder dann so weit sind, wenn sie in der Schule gelernt haben, flüssig mit der Hand zu schreiben. Sie können jedoch ab dem sechsten Lebensjahr anfangen, Ihr Kind seine Zähne selber pflegen zu lassen. Allerdings sollten Sie den Vorgang weiterhin kontrollieren, damit die Entstehung von Karies vermieden wird.
 

Gibt es eine Regel für die Zahnpflege?

Für die optimale Pflege der Milchzähne ist es wichtig, die Außen- und Innenseiten sowie die Kauflächen gründlich zu putzen. Zahnärzte empfehlen hierfür die sogenannte KAI Regel.

K: Die Kauflächen werden mit Hin- und Her- oder Vorwärts- und RückwärtsbBewegungen gereinigt.

A: Die Außenseiten der Milchzähne werden im zusammengebissenen Zustand mit kreisender Zahnbürste geputzt.

I: Die Innenseiten der Zähne werden mit einer leichten Drehung von Rot nach Weiß gesäubert, also vom Zahnfleisch in Richtung Zahn.
 

Warum ist Karies bei Milchzähnen gefährlich?

Angesichts der - im Vergleich zum bleibenden Gebiss - relativ kurzen Lebensdauer der Milchzähne ist Karies die größte Gefahr für die Zahngesundheit bei Kindern. Karies bewirkt, dass gesunde Zähne durch die Ausscheidungsprodukte von Bakterien nach und nach entmineralisiert werden. Was am Ende zurückbleibt, ist eine poröse Zahnsubstanz, die in den extremsten Fällen geradezu zerbröselt.

Nicht nur die Milchzähne, sondern auch  die bleibenden Zähne in der ersten Phase ihres Durchbruchs, sind von Karies besonders bedroht. Das liegt daran, dass sie nur einen dünnen, noch nicht völlig ausgereiften Zahnschmelz aufweisen und deshalb sehr empfindlich sind.

Die wesentliche Ursache für die Entstehung von Karies sind Verunreinigungen und Beläge (Plaque) auf den Zähnen. Die Bakterien siedeln sich auf diesen Belägen an und ernähren sich von den Resten aufgenommener Nahrung. Im Gegenzug scheiden sie saure Substanzen aus, die den Zahn oder den Zahnschmelz angreifen können.

Als Eltern haben Sie es mit bestimmten Regeln und Verhaltensweisen selbst in der Hand, die ersten Zähne Ihres Kindes zu schützen. Voraussetzungen für eine wirksame Kariesprophylaxe sind unter anderem die Beachtung von bestimmten Ernährungsvorgaben - Verzicht auf übermäßigen Genuss von zucker- und säurehaltigen Nahrungsmitteln und Getränken - eine gründliche Zahnreinigung mit fluoridhaltiger Zahncreme sowie regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt.

Warum sollen Kinder nicht so viel Süßes essen?

Kinder - und nicht nur sie - mögen Süßes. Als Eltern sollten Sie darauf achten, dass Ihr Nachwuchs möglichst wenig Süßigkeiten bekommt. Denn der enthaltene Zucker wird von Kariesbakterien in kürzester Zeit aufgenommen und in Säure umgewandelt. Diese  wirkt ätzend auf den Zahnschmelz. Speichel kann die Säuren  zwar  neutralisieren und beim Wiederaufbau des angegriffenen Zahnschmelzes helfen.Allerdings bringt eine häufige und anhaltende Belastung mit Zucker das natürliche Abwehrsystem aus dem Gleichgewicht. Gleiches gilt für saure Speisen und Getränke, wie Obstsäfte, Zitrusfrüchte und Ähnliches. Für die Gefahr der Kariesentwicklung ist also nicht die Menge an Süßem und Saurem entscheidend, sondern wie oft es gegessen und getrunken wird und wie lange es auf die Milchzähne einwirken kann.
 

Wie beugt Fluorid gegen Karies vor?

Der Wirkstoff Fluorid bremst einerseits die Zahnschmelzschädigung durch Kariesbakterien, andererseits unterstützt er die Reparatur und Wiederherstellung bereits angegriffener Zähne. Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass Fluorid seine Wirkung am besten lokal und durch den direkten Kontakt mit Zahnoberflächen entfalten kann. Aus diesem Grund hat sich gerade langes und regelmäßiges Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahncreme als günstig für die Karies-Prophylaxe erwiesen. Die Einnahme von Fluorid in Tablettenform sollte nur bei einem sehr hohen Kariesrisiko und nur unter zahnärztlicher Aufsicht erfolgen.
 

Warum sollte man Kinder früh an Zahnarztbesuche heranführen?

Die meisten Menschen haben Angst, zum Zahnarzt zu gehen. Dabei spielt in vielen Fällen weniger die eigene Erfahrung als negative Berichte von anderen Personen eine Rolle. Deshalb ist es wichtig, dass sie Ihrem Kind möglichst früh ein positives Gefühl vermitteln, wenn es um das Thema Zahnarztbesuch geht. Sobald die ersten Milchzähne durchgebrochen sind, sollten Sie auch Ihren Nachwuchs an halbjährliche Kontrolluntersuchungen gewöhnen.

Bei den ersten Terminen geht es in der Regel nur um eine Prüfung der Zahnstellung und eventuell um eine Einschätzung von Kariesrisiken. Der Zahnarzt kann Ihnen ausführliche Hinweise zur Zahnpflege Ihres Kindes, zur Ernährung oder auch zum Gebrauch von Fluorid geben. Wenn Sie Ihren Nachwuchs möglichst lange von zu vielen Süßigkeiten fern- und zur gründlichen Zahnpflege anhalten, kann es sein Milchzähne-Zeitalter durchaus ohne die Erfahrung überleben, dass Zähne gebohrt und gefüllt werden müssen.

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